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Eva Pilot
 
Liebe Museums-Besucher,

herzlich willkommen im ersten und bislang einzigen Online-Museum Leipzigs! Hier erhalten Sie ebenso unterhaltsame wie informative Einblicke in die jüngere Geschichte Leipzigs. Denn die Exponate dieses Museums kommen von Ihnen, liebe Leipziger. Sie spiegeln unterschiedliche Bereiche des Alltagslebens wider und zeigen aus ganz individuellen Perspektiven die Entwicklungsgeschichte Ihrer Stadt seit 1900. So erhalten Sie auch Antworten auf die Frage: Was verbinden die Menschen mit ihrer Heimat?

Dieses Online-Museum ist kein fertiges Projekt, sondern eine lebende Institution, die täglich wachsen soll. Doch das kann nur gelingen, wenn Sie tatkräftig mithelfen. Ihre Bilder, Filme, Texte und Tondateien sind die Schätze, die den Besuchern dieses Museums neue Blickwinkel auf die Messestadt nahe bringen. Aus Ihren Erinnerungen entsteht ein einmaliges Panorama dieser tollen Stadt.

Daher meine Bitte:
Wenn Sie Bilder, Filme oder Tondateien über das Leipziger Alltagsleben besitzen, dann leihen Sie uns diese Dokumente bitte für einige Wochen. Machen Sie mit und werden Sie Museumsstifter!


Ich wünsche Ihnen viel Freude beim virtuellen Rundgang durch "Heimat Leipzig", dem Museum von Leipzigern für Leipziger.


Collin Scholz,
Geschäftsleitung
Pilot:Projekt GmbH

 
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Johanna D.: Die Geschichte einer starken Frau
1905 begann für das junge Mädchen Maria Johanna D., das einfach nur Hanna gerufen wurde, der Ernst des Lebens: Die Einschulung stand bevor. Bis 1913 besuchte sie die Volksschule Leipzig. Normaler Weise endete danach die Schulzeit für Mädchen in diesem Alter. Denn im frühen 20. Jahrhundert waren dann die Mütter für die Erziehung der Töchter zuständig. Weiterführende Schulen standen fast nur dem männlichen Nachwuchs offen. Doch Hanna hatte Glück. Ihre Eltern schickten sie noch zwei Jahre auf die Carolaschule, eine der wenigen städtischen höheren Schulen für bürgerliche Mädchen.

1915 schaffte es Johanna D., direkt im Anschluss an die Schulzeit eine Lehrstelle zu finden. Vermutlich haben ihr ihre Eltern dabei geholfen. Bei dem Unternehmen Steinmetz & Lingner begann sie die Ausbildung zur Kontoristin. Ihre Lehrmeister waren mit ihrer Arbeit zufrieden und übernahmen sie nach Ende der Lehre im Jahre 1917.

In dieser Zeit muss Johanna D. ihren ersten Ehemann, den Kriminalpolizeioberwachtmeister Max Paul O., kennengelernt haben. Am 6. September 1919 heirateten die beiden. Doch die Ehe stand unter keinem guten Stern. Anfang des Jahres 1925 verklagte Paul O. seine Frau und beantragte, die Ehe zu scheiden. Der Vorwurf: Johanna würde durch "hartnäckige und böswillige Verweigerung des ehelichen Geschlechtsverkehrs die Ehe zerrütten".

Doch die couragierte junge Frau ließ diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen und reichte eine Widerklage ein. Sie widersprach nicht, dass sie ihren Mann auf Distanz hielt. Aber dafür gab es auch einen guten Grund. Paul hatte ein Liebesverhältnis mit Elsa Klara Charlotte B., der Tochter des Vermieters. Bei der Befragung durch das Gericht verweigerte Elsa die Aussage mit der Begründung: "es könne ihr zur Unehre gereichen". Das Gericht legte das als Schuldeingeständnis aus.

Darüber hinaus hielt Johanna O. einen Brief von ihrem Noch-Ehemann in den Händen, der inzwischen nach Brasilien gereist war. In diesem Schreiben äußerte sich Paul so positiv und liebevoll über seine Frau, dass das Gericht in der Urteilsbegründung vermerkte, Paul habe "die der Beklagten in der Klageschrift zur Last gelegten Verfehlungen kaum mehr als so ehezerrüttend empfunden, dass ihm die Fortsetzung der Ehe nicht zuzumuten wäre".

Die Ehe wurde dennoch geschieden. Doch nicht auf Pauls, sondern auf Hannas Wunsch hin. Die Richter erkannten an, dass Paul mindestens eine "grob ehewidrige Beziehung" geführt hat. "Durch solche hat der Kläger die durch die Ehe begründete Treuepflicht gröblich verletzt und wie der Beklagten ohne Weiteres zu glauben ist, eine so tiefe Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses der Parteien verschuldet, dass der Beklagten die Fortsetzung der Ehe nicht zugemutet werden kann." Somit endete Hannas Ehe am 9. Juni 1925. Vier Tage später erfuhr sie durch ihren Anwalt von der Entscheidung.

Nun musste Johanna O. wieder selber für sich sorgen. Doch zum Glück stellte ihr ehemaliger Arbeitgeber Steinmetz & Lingner sie erneut ein. 1927 wechselte Hanna zum Unternehmen Strumpf-Eulitz, das sie leider vier Jahre später wegen einer Krankheit verlassen musste. In den folgenden Jahren erlebte sie wie alle anderen Leipziger die Wirren der NS-Zeit und des Zweiten Weltkrieges. Doch privat gab es einen Lichtblick. Sie lernte ihren zweiten Ehemann Ernst K. kennen und lieben und heiratete ihn.

Auch nach dem Krieg blieb Johanna ihrer Heimat treu. Schon 1945 trat sie dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund bei, aus dem bald die Deutsche Einheitsgewerkschaft der DDR wurde. Danach jedoch verlieren sich die Spuren ihres Lebens. 1972 listet die Abrechnung des Rentenbescheids die Witwenrente mit auf. Also war Ernst vor Hanna gestorben. Ihre letzten Jahre verbrachte sie im Altenpflegeheim Sonnenschein in Leipzig.

Dort hat man sie als eine sehr feine Dame in Erinnerung, die sich bis zum Schluss selbst versorgt und gepflegt hat. Sie hatte sich fest vorgenommen, im Geiste immer jung zu bleiben. Ihr Jungbrunnen: jeden Morgen nach dem Aufstehen ein Glas Buttermilch. Hanna war eine Frau, die immer mit der Zeit gegangen ist. Sie ist viel gereist, hat sich auch im hohen Alter immer mal wieder verliebt. Diese charakterstarke und mutige Frau wusste, was sie wollte. Um das Leben bis zum Ende bewusst wahrzunehmen, führte Hanna bis zu ihrem Lebensende Tagebücher. Kurz nach ihrem 100. Geburtstag verstarb sie friedlich. Ein bewegtes Leben in einer Stadt – alles andere als langweilig.


Johanna D. bei der Einschulung 1905
Hanna durfte auf die höhere Schule
Das Recht einer Frau in einer von Männern dominierten Zeit
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Pauls Abschied
Die Gewissheit für Hanna: die Ehe mit Paul ist Geschichte

Mietvertrag und das Mietbuch der Familie Dietz

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