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Eva Pilot
 
Liebe Museums-Besucher,

herzlich willkommen im ersten und bislang einzigen Online-Museum Leipzigs! Hier erhalten Sie ebenso unterhaltsame wie informative Einblicke in die jüngere Geschichte Leipzigs. Denn die Exponate dieses Museums kommen von Ihnen, liebe Leipziger. Sie spiegeln unterschiedliche Bereiche des Alltagslebens wider und zeigen aus ganz individuellen Perspektiven die Entwicklungsgeschichte Ihrer Stadt seit 1900. So erhalten Sie auch Antworten auf die Frage: Was verbinden die Menschen mit ihrer Heimat?

Dieses Online-Museum ist kein fertiges Projekt, sondern eine lebende Institution, die täglich wachsen soll. Doch das kann nur gelingen, wenn Sie tatkräftig mithelfen. Ihre Bilder, Filme, Texte und Tondateien sind die Schätze, die den Besuchern dieses Museums neue Blickwinkel auf die Messestadt nahe bringen. Aus Ihren Erinnerungen entsteht ein einmaliges Panorama dieser tollen Stadt.

Daher meine Bitte:
Wenn Sie Bilder, Filme oder Tondateien über das Leipziger Alltagsleben besitzen, dann leihen Sie uns diese Dokumente bitte für einige Wochen. Machen Sie mit und werden Sie Museumsstifter!


Ich wünsche Ihnen viel Freude beim virtuellen Rundgang durch "Heimat Leipzig", dem Museum von Leipzigern für Leipziger.


Collin Scholz,
Geschäftsleitung
Pilot:Projekt GmbH

 
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Joachim Petri – ein Fotograf mit Geschichte

 

Er überlebte den Einsatz im zweiten Weltkrieg, überstand die russische Kriegsgefangenschaft und meisterte erfolgreich den Alltag als freischaffender Fotograf in der DDR. Joachim Petri hat mit seinen Aufnahmen ein Erbe hinterlassen, das der Nachwelt Einblicke in das Leben vergangener Zeiten ermöglicht.

Geboren am 03. April 1921 entschied sich Petri für eine Ausbildung zum Fotografen bei der angesehenen Firma Brüggemann. Doch schon 1939 begann für den 18jährigen Petri der Zweite Weltkrieg. Nach seiner Offiziersausbildung wurde der junge Leutnant an die Front geschickt. Doch Joachim Petri blieb nicht nur auf seiner Seite der Front. Die Liebe zu der Tochter eines jugoslawischen Partisanen brachte ihn dazu, sich immer wieder hinter die feindlichen Linien zu schleichen. Künstlerisch begabt, wie er war, malte er bei einem dieser Aufenthalte den Vater seiner Angebeteten. Das Bild trug er bis zu seinem nächsten Heimaturlaub im Stiefel mit sich. Ein großes Risiko für alle Beteiligten. Doch alles ging gut. Heute hängt das Gemälde in der Wohnung seiner Tochter.


Die junge Jugoslawin war für Petri nicht der einzige Lichtblick des Krieges. Während eines Fronturlaubs in Wien lernte er eine Opernsängerin kennen und lieben. Sie verlobten sich. Allerdings war es nicht so leicht, während der immer weiter fortschreitenden Kampfeswirren den Kontakt aufrecht zu erhalten. Nach dem Waffenstillstand 1945 machte sich Petri sofort auf den Weg in die Alpenrepublik. Aber er erreichte sein Ziel nie. Denn er fiel den Russen in die Hände und kam in Kriegsgefangenschaft.
 

Fünf lange Jahre dauerte Petris Kriegsgefangenschaft. Es dauerte nicht lange, bis den Russen seine künstlerischen Talente auffielen. Bald bekam Petri den Auftrag, berühmte russische Gemälde für die Offiziere zu kopieren. Alleine das Bild "Drei kleine Bären" entstand so 36 Mal. Schon bald entstand auch aus den Reihen der Gefangenen eine kleine Theatergruppe. Mit ihren selbstgeplanten Aufführungen erfreuten sie sich schnell großer Beliebtheit und machten den Lager-Alltag erträglicher. Für die Künstlertruppe, der auch der spätere Regisseur vieler Rudi Carell-Shows – Dieter Finnern – angehörte, war ihr Talent Fluch und Segen zugleich. Die letzten vier Jahre ihrer Gefangenschaft verbrachten sie in angenehmeren Verhältnissen am Stadt-Theater in Omsk. Doch sie waren noch immer Gefangene. Und immer häufiger keimte in ihnen der Verdacht auf, dass sie längst wieder zu Hause wären, hätten die Sowjets nicht ein solches Interesse an ihren Fähigkeiten.

Ende 1949 kam endlich für Joachim Petri der Tag, an dem er wieder in seine Heimat durfte. Zurück in Leipzig, kehrte er erst einmal in die Firma (Brüggemann) zurück, in der er auch als Fotograf ausgebildet worden war. Sein Chef war dafür bekannt, dass er jeden Auftrag annahm, egal wie abenteuerlich er sich anhörte. Im zweiten Schritt überlegte er sich Lösungen für seine Probleme. So kam eines Tages die Order Orientteppiche für die Messe zu fotografieren. Es stellte sich heraus, dass sie viel zu groß waren, um in einem Schritt fotografiert zu werden. Also ging Petris Arbeitgeber daran, sie in Einzelteilen anzulichten und die Bilder im Anschluss wieder zusammen zu fügen. So banal es waren zu groß. Also fotografierte er sie in Teilen und fügte die Bilder zu einem zusammen. Was sich heute banal anhört, war damals eine Revolution in der Fototechnik.
 

Ende der 50er Jahre bestellten chinesische Aussteller ein Großfoto für die gesamte Hallenwand ihres Präsentationsbereichs in der Messehalle. Brüggemann sagte zu. Doch als die Vorlage kam, staunten sie nicht schlecht: es war ein Kleinbildnegativ. Mit Hilfe von Rollenbahnen wurde das Foto immer weiter vergrößert. Bald reichte das Labor zum Entwickeln nicht mehr aus. Kurzerhand zog das Team in den Hof um und wässerte die Bilder in Badewannen. Endlich hing das Foto in voller Größe an der Wand. Am Abend vor dem Messebeginn nahmen die Chinesen die Arbeit ab. Doch nun gefiel ihnen das Schwarz-Weiß-Motiv nicht mehr. Sie wollten es farbig haben. Kurzerhand engagierte Brüggemann alle Maler der Stadt, denen er habhaft werden konnte und über Nacht wandelte sich das Riesenfoto in ein überdimensionales Gemälde.

 
Ende der 50er Jahre machte sich Joachim Petri selbständig. Obwohl er bei seinem Lehrmeister viel Erfahrung sammeln konnte, traute er sich diese Herausforderung eigentlich gar nicht zu. Doch die Sorge war unbegründet. Mit seiner Selbständigkeit kamen sofort die ersten Aufträge für Werbefotografien. Petri machte sich dabei immer wieder Gedanken, wie man alltägliche Gegenstände besonders darstellen kann. So entstand auch seine Riffelglastechnik, mit der er in der Fachwelt sehr bekannt wurde. Die Technik entwickelte er für eine Jahreskampagne für elektrische Haushaltsgeräte. Die Idee dahinter ist, das Produkt vor einer Riffelglas-Scheibe abzulichten. Hinter der Scheibe wird schemenhaft angedeutet, welche Funktion das Produkt hat. Zu der damaligen Zeit war diese Art der Präsentation ein absolutes Novum. Sie wurde derart populär, dass sie sogar im Fachbereich Fotografie der Kunsthochschule Leipzig gelehrt wurde.

 
Ein Vertrauensbeweis an Joachim Petri war ein Auftrag von Walter Ulbricht. Als die Oper Leipzig fertig gestellt war, erhielt Petri den Auftrag, das Gebäude vor der Eröffnung für den Staatsmann zu fotografieren. Er war der einzige Fotograf, der das nagelneue Gebäude vor der Einweihung betreten durfte. Im Anschluss musste Petri alle Negative abgeben und eidesstattlich versichern, dass er keine Negative und Abzüge zurück behalten hatte oder die Bilder nicht weiter genutzt hatte. Doch trotz aller Versprechen rettete Petri für sein privates Archiv einige Fehlabzüge, die dankenswerter Weise bis heute erhalten geblieben sind.

 
Doch es gab auch Zeiten, in denen die Aufträge ausblieben. Dann war die Arbeit für Freischaffende in der DDR sehr schwer. Bei der Materialbeschaffung wurden sie sehr kurz gehalten und kamen zu manchen Zeiten nur durch die Hilfe von Freunden aus dem Westen über die Runden.

 
Mit der Zeit entschied Joachim Petri, die Mode- und Werbefotografie zu beenden und sich Fotos und Illustrationen für Bücher zu konzentrieren. In den letzten Jahren seines Berufslebens hat er nichts anderes mehr gemacht. Dabei entstanden Aufnahmen für Bücher über Sächsische Schlösser, Bach, Luther, Potsdamer Schlösser, Spielzeuge und die Schätze des Alten Rathauses Leipzig.

 
Im September 1989 verstarb Joachim Petri viel zu früh im Alter von 68 Jahren.

Gemälde des jugoslavischen Partisanen. Enstanden während des Zweiten Weltkriegs.

Werbefotografien mit Leipziger Schauspielern.

Beispiele der Riffelglas-Technik.

Die neu erbaute Oper.


  
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